Land und Leute

Würde ich gebeten, das Land mit einem einzigen Begriff zu beschreiben, dann würde ich sicherlich den Ausdruck „Vielfältigkeit“ wählen.

Geographie

Myanmar ist das größte Land auf dem südostasiatischen Festland; es ist doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Seine Nord-Süd Ausdehnung beträgt 2.500 km, seine Ost-West etwa 900 km. Im hohen Norden herrscht eine alpine Landschaft mit dem höchsten Berg des Landes von 5.881 Metern vor. Andere Klimazonen sind Monsunwälder, Grassteppen, Halbwüste, Mangrovenwälder und tropischer Regenwald. Vor der langen Meeresküste liegen vielleicht 3.000 Inseln. Nach China bietet dieses Land die zweitvielfältigste Flora der Welt.

Das Klima wird vom Monsun dominiert; mit der Trockenzeit von Ende Oktober bis Ende März und der Regenzeit von April bis Oktober. Der Monsun bringt nicht nur viel Regen, sondern auch Stürme und Überschwemmungen. Er ist aber zugleich auch Segen, denn er bringt das für die Landwirtschaft notwendige Wasser.

Bevölkerung und Religion

Circa 51 Millionen Menschen leben in Myanmar. Mehrheitlich gehören sie der tibeto-burmanischen Volksgruppe an. Daneben gibt es 135 weitere ethnische Gruppen, deren Sprache oft nicht mit dem Myanmarischen verwandt ist. Sie leben zumeist in den Hochplateaus und den Bergen, die sich wie ein Hufeisen um die großen Tiefebenen ziehen. Die Landessprache ist Myanmarisch, das von 70% der Bevölkerung als erste Sprache gesprochen wird.

Im diesem Vielvölkerstaat dominiert der Theravada Buddhismus, zu dem sich 85% der Menschen bekennen. Gerade unter den Minderheiten gibt es aber auch Christen, Muslime, Hindus und Animisten.

Man kann sicherlich sagen, dass das Leben der Menschen in Myanmar von zwei Faktoren besonders beeinflusst wird, nämlich vom Monsun und dem Buddhismus. Viele Verhaltensweisen, Abläufe, Riten und Feste folgen diesen beiden Kräften.

Geschichte

Myanmar hat im Laufe seiner jahrtausendealten Geschichte eine eigene Sprache, Kunst und Architektur hervor gebracht. Seine wechselvolle Geschichte wurde von verschiedenen ethnischen Gruppen wie den Pyu, Mon, Burmanen und Shan gestaltet. Am Ende waren es zumeist aber die Burmanen, die den Staat führten.

Lange war Burma, wie es damals hieß, britische Kolonie bis es 1948 selbstständig wurde. In 1962 übernahm das Militär die Macht und verschrieb dem Land und seinen Menschen eine toxische Mischung aus Isolationismus und Sozialismus. Das Resultat war ein jahrzehntelanger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Niedergang, der ein ganzes Land verarmen ließ. Erst 2012 erlaubte das Militär die schrittweise Demokratisierung und Liberalisierung. Bei den Wahlen am 8. November 2015 hat die bis dahin oppositionelle NLD unter ihrer Führerin Aung San Suu Kyi den Wahlsieg erreicht, der  zu einer überwältigenden Mehrheit im Unterhaus und Oberhaus führte. Aber auch weiterhin bleibt die Armee ein einflussreicher Faktor im politischen und ökonomischen Leben. Politisch und ökonomisch geht es langsam aufwärts und vorwärts in Myanmar, jedoch startet das Land von einem sehr niedrigen wirtschaftlichen Niveau. Unterbeschäftigung, Arbeitslosigkeit und Armut prägen immer noch das Land. Myanmar bleibt auf Unterstützung von außen angewiesen. Es gehört immer noch zu den 20 unterentwickeltsten Ländern der Welt.

Touristen konnten lange Zeit nur die besonderen Zentren wie Yangon, Bagan, Mandalay, den Inle See und Mrauk-U bereisen. Heute aber sind weite Teile des Landes offen für ausländische Touristen, auch wenn für einige Orte und Strecken noch eine Sondergenehmigung erforderlich ist. Die beste Reisezeit erstreckt sich von Ende Oktober bis Ende Februar.

Jetzt, wo das Land sich geöffnet hat, lohnt sich eine Reise noch mehr. Die Vielfältigkeit des Landes und Freundlichkeit seiner Menschen wird Sie beeindrucken.

Klaus Schröder
Mitglied des Kuratoriums

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